Flagstaff - Ein Auflaufen bekannter Laufstars

15 bis 20 Grad, seit Tagen keine Wolke am Himmel, am Horizont der schneebdeckte Gletscher des Humphreys Peak, nur der Wind bläst etwas kräftig. Fast ideale Bedingungen, die man zu einer solchen Jahreszeit hier für ein Trainingslager vorfindet. Einer der Gründe für das Zusammenkommen vieler Laufgrößen und Olympiasieger, wie Mohamed "Mo" Farah und Matthew Centrowitz. Beeindruckende und motivierende Erlebnisse, die man in Erinnerung behält. Aber nicht nur die guten Traininingsbedingungen, sondern auch die qualitativ und quantitativ hochwertigen Wettkämpfe locken viele Läufer nach Amerika. Kürzlich gab es einen Wettkampf in Los Angeles, bei dem über die 1500m Disziplin unglaubliche 267 Athleten gemeldet waren. Erst der 170te Läufer hatte in den Ergebnissen eine Zeit über 4:00 min stehen. Das ist wirklich unfassbar und nicht ansatzweise in Deutschland vorstellbar!

Nächste Woche geht es für uns alle ebenfalls zurück in die Großstadt Los Angeles, zum ersten Wettkampf der Sommersaison. Ich bin über die Qualitäten dieser Veranstaltungen gespannt und freue mich auch schon auf den zweiten Zeitraum mit den Gehörlosen in Flagstaff. Nach drei Wochen Aufenthalt in der Höhe mit zwei Wochen sehr gutem Training ist die Adaption, vom körperlichen Gefühl betrachtet, voll abgeschlossen. Vor dem Wettkampf stehen nun nur noch regenerative Einheiten mit ein paar Tempoeinheiten auf dem Plan. An das hohe Wettkampftempo muss gewissermaßen auch vorbereitet werden, damit der Körper nicht komplett überfordert ist.

Wichtig neben dem ganzen Training ist es natürlich den Körper so gut und schnell wie möglich zu regenerieren. Dazu gehört allerdings auch, dem Kopf mal etwas anderes, als nur die täglichen Trainingseinheiten oder das gemütliche zuhause zu präsentieren. Viele Nationalparks oder einfach das Land mit seiner Umgebung und der faszinierenden Natur laden perfekt dazu ein. Jedem bekannt dürfte dabei der Grand Canyon sein, durch seine riesigen Schluchten und leuchtenden Gesteinsfarben ein sehr beliebtes Ziel vieler Touristen. Daneben gibt es noch viele Indianderreservate -und kulturen zu entdecken, die hier geschichtlich und gegenwärtig noch sehr tief verankert sind. Amerika in seinen unterschiedlichsten Facetten - einfach wunderbar! 

Höhentrainingslager Flagstaff - Adaption und Eingewöhnung

Die Reise hat begonnen und der nächste Schritt zum Ziel wird gesetzt. Es ist nun ziemlich genau eine Woche her, seitdem ich in Amerika gelandet bin. Genauer gesagt mit dem Flieger von Hannover über London nach  Los Angeles und anschließenden acht Stunden Autofahrt nach Flagstaff im Bundesstaat Arizona auf 2100m Höhe. Mein Trainingslager wird sich dabei in den nächsten sieben Wochen in zwei Höhenketten aufteilen. Die erste Etappe gemeinsam mit einem Vereinsteam von Hannover Athletics um meinen Haupttrainer Markus, die Zweite dann nach einem ersten Wettkampf in Los Angeles mit meinem Gehörlosennationalteam um Bundestrainer Wolfgang.

Warum und wozu aber eigentlich dieser ganze Aufwand? Am häufigsten wird mir die Frage gestellt, warum ich denn nicht einfach in die Alpen fliegen würde?

Die erste Gegenfrage von mir lautet immer, was machen die Leute denn Anfang April in den Alpen? Genau, Ski fahren und das wären mit Sicherheit nicht die optimalsten Bedingungen für ein Lauftrainingslager. Letztendlich gibt es die Optionen Kenia, Äthiopien, Südafrika und Amerika. Hier sind die klimatischen Bedingungen einfach top und zudem gibt es im europäischen Bereich keine Alternative in diesem Höhenbereich von 2000m. Amerika bevorzugen wir zudem, da es hier von den Lebensbedingungen und allem drum und dran wie in europäischen Verhältnissen leben lässt. Einziger kleiner Nachteil ist hierbei der Jetlag von neun Stunden hinter der deutschen Zeit.

Und warum wird nun in die Höhe gereist? Ganz einfach erklärt handelt es sich hier um ein "legales Blutdoping". Durch den geringeren Sauerstoffgehalt in der Luft fängt der Körper an mehr rote Blutkörperchen zu bilden. Jene, die für den Sauerstofftransport in unserem Körper zuständig sind. Dadurch erreicht man mit dem dazugehörigen Training nach einigen Wochen eine höhere Ausdauerfähigkeit und der Körper hat zurück auf Meereshöhe ein höheres Leistungsniveau.

 

Nun nach einer Woche hat sich der Körper den Bedingungen entsprechend gut angepasst, die Nächte sind wieder im Rhytmus und werden durchgeschlafen und der Körper hat sich an die dünne Luft in der Höhe gewöhnt. Erinnert man sich hier zurück an den ersten Lauf, kann man dieses Gefühl kaum beschreiben. Der Puls ging nach oben, der Körper suchte den Sauerstoff und bei jeder kleinsten Steigung wollte man gerne erst einmal gehen. Gerade am Anfang ist es wichtig, den Körper nicht zu überfordern und auch im gesamten weiteren Training ist ein gutes Gespür für den Körper sehr wichtig. Wer nicht aufpasst oder keine Ahnung vom Höhentraining hat, kann seinen Körper sehr schnell ins Abseits manövrieren. Die Saison könnte dann im schlimmsten Fall gelaufen sein. Umso wichtiger das gute Auge von Markus, die Einheiten kontrollieren und anpassen zu können.

Jetzt, nach der Eingewöhnung, geht das richtige Training endlich los: Viele Laufkilometer, Krafttraining und erste Einheiten auf der Bahn. Das Wetter ist ideal, die Trainingsgruppe klasse und jede Trainingseinheit macht einfach Spaß!

Ich freue mich auf die nächsten Wochen und auf den ersten Wettkampf über 1500m in Los Angeles. Die Norm für die Deaflympics muss schließlich noch abgehakt werden. ;-)

Beste Grüße aus dem sonnigen Flagstaff,

 

Euer Alex